Die Caboose für die Pickled Cabbage Railway "PCR" in 1:4 auf 7,25" spurweite
Nachdem ich meine Diesellokomotive fertiggestellt hatte, brauchte ich natuerlich auch einige Fahrzeuge fuer meinen Zug, insbesondere einen Bedienwagen. Daher suchte ich in alten Ausgaben der Narrow Gauge and Shortline Gazette nach interessanten Fahrzeugen und fand einige Zeichnungen fuer Frreelanced Oe-Wagen, die mich sehr interessierten. Nachdem ich die Hauptdimensionen fuer die benoetigten Hoelzer ermittelt hatte, bestellte ich diese bei meinem Freund in Kiel. Verwendet wurde Meranti, was eine Abart von Mahagoni darstellt und im Fensterbau verwendet wird. Im Mai 1999 fuhr ich dann mit meiner Lok nach Kiel, um einige Fahrtage auf der Anlage meines Freundes zu verbringen und das bestellte Holz abzuholen.
Vor dieser Tour hatte ich einen Experimentier-Wagen aus Spanplatte und Dachlatten konstruiert, um herauszufinden, wie sich eine starre Kupplung bei dieser Fahrzeuglaenge verhalten wuerde. Ausserdem testete ich an diesem "Wagen" die neu beschafften Drehgestelle von Intersteam, die sich leider zunaechst ueberhaupt nicht bewaehrten. Der Wagen entgleiste an jeder moeglichen Stelle, egal ob er besetzt oder leer war. Nach etlichen Tipps und Hinweisen, was eventuell falsch sein koennte, fand ich schlussendlich die Ursache fuer die Entgleisungen, und seitdem habe ich keine Entgleisung mehr gehabt. Diese Drehgestelle sind keine Modelldrehgestelle, sie sind eigentlich fuer 5" personenbefoerdende Wagen gedacht, mit der Option, auf 7,25" umspurbar zu sein. Sie sind aber voll gefedert - und sehr teuer.
Obwohl ich das benoetigte Holz fuer Drehgestellwagen geordert hatte, schaute ich mich nun aufgrund des Drehgestellpreises nach anderen und kleineren 2-achsigen Fahrzeugen um. Dabei fielen mir die Industrie-Fahrzeuge in 1:13,7 vom 7/8 Consortium auf. Gary Watkins, Sierra Valley Enterprises, der aus den Hartford-Bausaetzen Fertigmodelle dieser Wagen erstellt, war so freundlich, mir die Bauzeichnungen zu kopieren und zuzusenden. Da mir diese Wagen so gut gefielen, entschied ich, nur noch 2-achsige Fahrzeuge - mit Ausnahme des Bedienwagens (ein gefederter Wagen ist besser fuer die Knochen ;-)) ) und der Caboose - zu bauen.
Mit den Drehgestellen und dem ganzen Holz auf Lager, bestellte ich einige zusaetzliche Achsen fuer die 2-achsigen Fahrzeuge und begann im Herbst 1999 mit dem Bau. Ich baute paralell ein Drehgestell-Fahrgestell und einen 2-achsigen Flachwagen. Der Flachwagen wurde dann im Sommer 2000 fertiggestellt (mit Ausnahme der immer noch zu installierenden Kupplungen), und das Fahrgestell wurde von vornherein als Basis fuer die Caboose gebaut. Auch fuer die Caboose hatte ich nach einem passenden Vorbild gesucht, und wurde dann mit einer 30" Version der eigentlich 3' Caboose #4 der Westside Lumber ohne Cupola gluecklich.
Waehrend der ersten 9 Monate versuchte ich vergeblich, das benoetigte Holz fuer den Aufbau der Caboose zu erhalten. Da der Abgabetermin fuer den Finescale Railroader Wettbewerb "Build a caboose" immer naeher rueckte, ueberlegte ich, wie ich den Aufbau erstellen koenne. Ploetzlich fiel mir wieder mein Holzlager mit dem Meranti fuer die ganzen Drehgestell-Fahrgestelle in's Auge. Soviel Holz, wie ich dort liegen hatte, brauchte ich fuer die ganzen Fahrgestelle, die ja nun 2-achsig wurden, gar nicht mehr. Ein kurzes Ausmessen ergab, dass ich die 4-Kant-Hoelzer auf das benoetigte Mass zuschneiden konnte und genug Holz fuer zwei weitere 2-achsige Flachwagen uebrig bleiben wuerde.
Daher fing ich dann am 21. Oktober 2000 an, die 4-Kant-Hoelzer auf Mass zu bringen:
Das sind keine Regentropfen auf der Linse, das ist Saegestaub ;-))
Waehrend der naechsten Woche schnitt ich alle benoetigten Hoelzer auf Laenge und brachte Verzapfungen an, wo benoetigt. Anschliessend leimte ich den Rahmen fuer den Aufbau zusammen.
Hier nun einige Photos aus der Bauzeit:
Der Rahmen fuer die erste Seitenwand, provisorisch mit Schraubzwingen auf das Fahrgestell montiert.
Zusammenleimen der letzten Stirnwand.
Der komplette Rahmen fuer den Aufbau.
Als naechstes liess ich mir im Baumarkt die benoetigten Seiten-, Stirnwaende und Dachplatten zuschneiden. Ich verwendete Multiplex Birke. In diese Platten fraeste ich dann mit einem Dremel mit Oberfraesenvorsatz die ganzen Fugen in die Waende (innen und aussen), um die einzelnen Bretter zu simulieren:
Einfraesen der Fugen in eine Seitenwand
Nachdem alle Fugen eingefraest waren, leimte ich die Waende auf dem Aufbaurahmen. Das naechste Photo ist ein reizvoller Einblick durch die Tuer in die Caboose am 31. Oktober 2000:
Fuer die dann folgende Produktion des Daches und der Tueren und Fenster ging fast ein ganzer Monat drauf.
Der Dezember 2000 sah dann hauptsaechlich die Produktion der Buehnengelaender (aus 4 mm Messingrohren und sehr teueren 4 mm Messing Winkeln und T-Stuecken), der Caboose-Steps und der Montage von Zubehoerteilen wie das Bremshandrad mit der dazugehorenden Sperrklinke. Das Bremshandrad und die Sperrkline sind 1:4,8 Aluminium-Gussteile von Como Roundhouse Products. Ausserdem lackierte ich den ganzen Aufbau mit Ausnahme der Drehgestelle. Es war nicht gerade einfach, die passende Farbe zu bekommen. In den USA ist das wesentlich einfacher, es gibt dort von Krylon eine Grundierung in Spruehdose, die perfekt passt, aber leider nicht hier. So nahm ich ein 1:32 Modell der Cabosse, die ich mit Floquil Boxcar Red gestrichen hatte, mit in den Baumarkt und liess mir eine annaehernd passende Farbe mischen. Nicht perfekt, aber fast.
Die Feiertage nutzte ich dann, die Drehgestelle zu grundieren und zu lackieren:
Nachdem die Drehgestelle wieder montiert waren, war die Caboose zwar noch nicht fertig, aber in einem nutzbaren Zustand, und so nahm ich sie mit zum Echtdampf Hallentreffen in Sinsheim, wo auch das folgende Photo entstand:
Von dem Treffen zurueckgekehrt, strich ich das Dach mit verduennter Abtoenfarbe und streute in die frische Farbe feinen trockenen Sand. Nachdem die Farbe getrocknet war, habe ich den losen Sand abgeschuettelt und das Dach nochmals ueberstrichen. Das gibt einen schoenen Effekt von Dachpappe. Anschliessend leimte ich noch duenne Holzstreifen quer ueber das Dach, um die Abdeckbretter an den Stosskanten der Dachpappe zu simulieren. Und damit war die Caboose dann fertig fuer den Finescale Railroader Wettbewerb.
Ich erhielt fuer dieses Photo eine Platzierung in der Sektion: honorable mention.
Im Sommer 2001 habe ich dann die Buffer-Blocks mit einem Stahlwinkel abgedeckt. Hauptgrund waren zwei Auffahrunfaelle, bei denen der Rahmen doch nicht unerheblich beschaedigt wurde (einmal wurde die Ruecklichthalterung in den Rahmen gedrueckt, beim anderen eine Kerbe in den Buffer-block gehauen). Ich hoffe jetzt, dass dieser Stahlwinkel weitere Schaeden abwenden wird.
Aktuell fehlt noch die komplette Inneneinrichtung, die Trichterkupplungen und die Caboose-Marker-Lamps. Ausserdem werde ich das Dach nochmals ueberarbeiten muessen.